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Sie verließen die Stadt, um ein Leben auf dem Land zu führen. Über die „Quinta das Lavandas“ und Ihre Entstehung

By , 09. May 2018

Ausgelaugt und gestresst. Das Leben in der Stadt raubte ihr jegliche Energie. Weil sie so nicht weitermachen wollte, entschied sich Teresa Tomé für ein Leben auf dem Land.

Ausgelaugt und gestresst. Das Leben in der Stadt raubte ihr jegliche Energie. Weil sie so nicht weitermachen wollte, entschied sich Teresa Tomé für ein Leben auf dem Land.

Die Quinta das Lavandas ist ein Familienprojekt von Teresa Tomé und Estevão Moura und liegt inmitten des Naturparks Serra de São Mamede, etwa vier Kilometer außerhalb des Örtchens Castelo de Vide, einem der schönsten Dörfer in ganz Portugal. Eine Oase der Ruhe nicht einmal zwei Autostunden von Lissabon, dem lebhaften und hektischen Zentrum des Landes.

Am Morgen hört man Vogelgezwitscher. Ringsum sehen wir grüne Felder und Wiesen. Das frische Gras lädt zum Barfußlaufen ein und der beruhigende Duft von Lavendel liegt in der Luft.

„Ich arbeitete als Beraterin im Bereich Informationssysteme für große Konzerne, fühlte mich aber ständig müde und überfordert. Ich nahm fünfmal am Tag Medikamente gegen Bluthochdruck und Stress“, erzählt uns Teresa. „Wir kauften einen alten Bauernhof in Castelo de Vide, doch zwei Jahre lang wussten wir nicht, was wir damit anfangen sollten. Eines Tages las mein Mann im Internet einen Artikel über eine „Quinta Lavanda“, einen „Lavendelhof“ – ein Konzept, das drei Dinge kombiniert: den Anbau von Lavendel, die Verarbeitung von Lavendel zu Produkten für den Verkauf und Tourismus im ländlichem Bereich.“

Mit diesem kurzen Artikel nahm die Geschichte der Quinta das Lavandas ihren Anfang.

Teresa und Estevão pflanzten zunächst den Lavendel: sechs Hektar mit zwei unterschiedlichen Sorten, importiert aus Frankreich. Im Jahr 2010, als die Lavendelpflanzen noch jung waren, bauten sie die Destillerie, in der sie heute ätherische Öle und Blütenwasser herstellen. Und im Juni 2013 schließlich eröffneten sie ihre Pension und vervollständigten damit die drei Komponenten des Lavendelhof-Konzepts mit dem Ziel, all jene willkommen zu heißen, die sich nach der Natur und einem Ort der Ruhe und Entspannung sehnen.

„Wir hatten keinerlei Erfahrung im Hotelgewerbe, doch das ergab sich dann ganz natürlich.“ Teresa und Estevão hatten sich nie vorgestellt, dass sie einmal eine Pension auf dem Land betreiben würden, doch durch ihre eigenen Erfahrungen als Touristen und ihre Leidenschaft fürs Reisen fanden sie auf ganz natürliche Weise heraus, was ihre Gäste brauchten. Und heute steht für sie eines immer an erster Stelle: dafür sorgen, dass sich die Gäste wie zu Hause fühlen.

Für das Paar ist das Projekt Quinta das Lavandas ein Weg zurück zu den Anfängen. „Mein Mann und ich sind beide auf dem Land groß geworden. Ich komme ursprünglich aus Azeitão, etwa 30 Kilometer von Lissabon, und mein Mann stammt aus einem kleinen Dorf im Tal des Tejo. Wir beide hatten eine Erinnerung an das Leben auf dem Land, die wir nie vergessen und zu der wir immer eine Verbindung aufrechterhalten haben.“ Und genau das spürt man. In der Nähe, der Einfachheit und dem Freiheitsgefühl, die die Quinta das Lavandas überall durchdringen.

Bei ihrer Ankunft empfangen Teresa und Estevão alle Gäste mit einem Lächeln. „Wir begrüßen unsere Gäste und erklären ihnen, wie alles im Haus funktioniert.“ Jeder Gast erhält einen eigenen Schlüssel und kann sich frei bewegen. Die Gäste folgen hier ihrem eigenen Zeitplan. „Das alles ist für die Gäste“, erklärt Teresa.

Sieben Schlafzimmer, Salzwasser-Swimmingpool, ausgedehnte Lavendelfelder, ein Lavendelgarten (mit mehr als 40 unterschiedlichen Sorten), ein Olivenhain, ein Obstgarten und ein kleiner Weinberg. Das alles können die Gäste frei nutzen und sind dabei eingeladen, sich einmal von allem zu lösen und die kleinen Dinge des Lebens zu genießen.

„Wir wünschen uns, dass die ‚Quinta das Lavandas‘ mehr ist als ein einfaches Bed & Breakfast. Wir möchten, dass die Menschen bei uns neue Erfahrungen sammeln.“

Diese Erfahrungen reichen von der Lavendelernte – wenn jedes Jahr im Juni und Juli die Felder in voller Blüte stehen – über die Destillation und Herstellung der ätherischen Öle, Spaziergänge in den Feldern und im Garten, Verkostungen der hauseigenen Produkte (z. B. Bio-Honig und Bio-Olivenöl) bis hin zur Fertigung von Kunsthandwerk (die Gäste pflücken den Lavendel selbst und binden daraus kleine Duftsträuße). Das alles sind einzigartige Erlebnisse, die bei jedem Gast besondere Erinnerungen schaffen. Erlebnisse und Erfahrungen, die sie für immer mitnehmen.

Ein entspannter Nachmittag am Swimmingpool bieten sich hier ebenso an wie eine Wanderung oder Fahrradtour. Und auch in der Umgebung gibt es viel zu entdecken. Nur vier Kilometer entfernt liegt der Ort Castelo de Vide mit seinen verwinkelten Gässchen und traditionellen Häusern. Teresa erzählt uns, dass viele der Gäste dort zu Mittag oder Abend essen und immer wieder begeistert sind. Nur etwa zwölf Kilometer entfernt an der spanischen Grenze liegt der Ort Marvão umgeben von einer beeindruckenden Befestigungsanlage, der zum UNESCO-Welterbe ernannt werden soll.

„Kulturell interessierten Gästen, empfehlen wir einen Besuch der Megalith-Stätten oder der Stadt Portalegre mit ihren einzigartigen Kunstteppichen, einen Spaziergang durch die Dörfer in der direkten Umgebung, in denen man hochwertiges Kunsthandwerk findet, oder eine Besichtigung der Museen zur Stickkunst und Töpferei in der Nähe.“ Das Angebot ist umfangreich und spiegelt die kulturelle Vielfalt der Region wider.

Heute finden Besucher aus der ganzen Welt ihren Weg zu diesem kleinen Familienprojekt, der Quinta das Lavandas. Es sind Menschen, die den Lavendel lieben und hierher kommen, um die duftenden Felder zu sehen. Doch sie finden weit mehr als das: Ruhe, inneren Frieden, neue Erfahrungen und Lebensfreude.

Das alles dank eines Paares, das hartnäckig und fleißig alle Widerstände überwunden und niemals seinen Traum aufgegeben hat: glücklich sein und dieses Glück mit anderen teilen.

Kennt Ihr weitere Hotels oder Unterkünfte von außergewöhnlichen Menschen?

Schreibt uns einen Kommentar – und wer weiß, vielleicht erzählen wir ja schon in unserem nächsten Artikel mehr über sie!